Die letzte Monotypie

Monotypie, 2017

Die hier präsentierte Arbeit nutzt das Monotypie-Verfahren, um malerische, bildhauerische aber auch fotografische Herangehensweisen auf neue Weise zu verschmelzen. Das druckgraphische Verfahren steht hier jedoch nicht im Dienste der Reproduzierbarkeit – die Arbeiten sind strikt unikatär. – Für die Reproduktion haben wir Smartphones.

Es geht darum, das dem Monotypie-Verfahren innewohnende Potential zum glücklichen Zufall ästhetisch zu nutzen. Die Monotypien entstehen, ganz wie klassische Bildhauerei, durch vielfältige, sehr physische Akte des Wegnehmens. Subtraktive Schöpfung für eine übervolle Welt.

Jede Tafel dient als Auslöser, Stimulus, für mögliche Bilder. Ohne kompositorische, ikonographische oder narrative Intention. Die Anlage als Triptychon, als Quasi-Klapp-Altar (à la Bosch’s „Garten der Lüste“) ist eine absichtliche Komplikation und Herausforderung: Gelingt es den Bildern autonom zu bleiben? Können wir sehen, ohne eine Geschichte, eine Apokalypse (d.h. eine Entschleierung) herbei zu phantasieren? Und: Was ist eigentlich die richtige Form des Ansehens, der Andacht? Wenn’s ein Altar wäre: für wen?

In geschlossenem Zustand sehen wir Proto-Monotypien. Ungedruckt. Auf der Metallplatte, im Urzustand. – Was ist das Original?

In all dem geht es um die ambivalente Konstitution von Komposition, Physiognomie und Bedeutung. Genauer: Wie diese im zufälligen als auch kalkulierten Wechselspiel um ästhetische Valenz ringen.

 

Michael Pfitzner
Innenseite – 180 cm x 130 cm – 2017
Außenseite – 90 cm x 130 cm – 2017