Hauptsache das Gras ist grün

Hauptsache das Gras ist grün

Michael Pfitzner and David le Viseur
Photography, 2016

 

“Hauptsache das Gras ist grün”, Michael Pfitzner & David le Viseur, 2016
Alles Lieber Als

Alles Lieber Als

von
David le Viseur und Michael Pfitzner
[Photoserie, 2016]

 

Manchmal fallt im Gespräch ein Satz, der einen Graben aufreißt zwischen den Menschen. Man diskutiert dann lange Stunden, es ist schmerzhaft, absurd und vergeblich. Was würde man lieber tun? Ebenso absurd, ebenso unangenehm. Darum geht es in den gezeigten Arbeiten. Jede hat einen spezifischen Satz zum Anlass. Dada plus Romantik. Kunst ist der bessere Schmerz!

 

Wenn man Bücher liest, kann man nicht mehr kreativ sein.

David le Viseur & Michael Pfitzner, Alles Lieber Als: “Wenn man Bücher liest, kann man nicht mehr kreativ sein”, Giclèe Print auf HM Baryta, Alu-Dibond, 60x46cm, 2016

 

– Ich liebe die Interviews mit Francis Bacon.
– Ja, ich schau auch so gerne Interviews,
von den Kardashians zum Beispiel.

David le Viseur & Michael Pfitzner, Alles Lieber Als: “Ich liebe die Interviews mit Francis Bacon. – Ja, ich schau auch so gerne Interviews, von den Kardashians zum Beispiel”, Giclèe Print auf HM Baryta, Alu-Dibond, 60x46cm, 2016

 

Ich hab morgens um 7 einen Yoga-Termin, ich hoffe ich finde mich da wieder.

David le Viseur & Michael Pfitzner, Alles Lieber Als: “Ich liebe die Interviews mit Francis Bacon. – Ja, ich schau auch so gerne Interviews, von den Kardashians zum Beispiel”, Giclèe Print auf HM Baryta, Alu-Dibond, 60x46cm, 2016

 

Kannst du mich bitte in den Po…weil ich spüre sonst noch
eine gewisse Restverantwortung gegenüber meinem Ex.

David le Viseur & Michael Pfitzner, Alles Lieber Als: “Kannst du mich bitte in den Po…weil ich spüre sonst noch eine gewisse Restverantwortung gegenüber meinem Ex.”, Giclèe Print auf HM Baryta, Alu-Dibond, 60x46cm, 2016
Studies for an Illumination

Studies for an Illumination

“Studies for an Illumination” ist ein Projekt von Michael Pfitzner und David le Viseur.  Mehr Bilder und Informationen finden Sie auf illuminationstudies.com.

“Studies for an Illumination” portraitiert Menschen mit Hilfe einer Technik und Vorgehensweise, die malerische, fotografische und performative Elemente kombiniert und auf neue Weise einsetzt.

Die Bilder entstehen im Dunkeln, durch einen Prozess des gelenkten Zufalls – ohne digitale Montage. Die Verwendung von UV-Licht macht – wie in der astronomischen Fotografie und der Forensik – andere Realitäten sichtbar. Die gewohnte aber problematische Relation zwischen Subjekt, Abbild und Objekt wird aufgebrochen.

Fremdheit und Vertrautheit tauschen die Plätze. Die menschliche Gestalt zeigt sich ambivalent, fragmentarisch, fragil, brutal, sexuell und schön. Die Grenze zwischen Malerei und Fotografie wird aus beiden Richtungen überschritten: Der Entstehungsprozess ist durch gestische und aleatorische Elemente geprägt, durch das “Malen” mit Pigment, Licht, Zeit und der Bewegung der Portraitierten.

Auf ikonographischer Ebene greifen die Fotos unabsichtlicher Weise visuelle Topoi von Francis Bacon, Caravaggio, David Lynch und viktorianischer Geisterphotographie auf. Die impliziten Fragen an den Betrachter sind: Was ist ein Foto? Was ist real? Was ist das Abbild des Menschen? Was sind die ästhetischen Reflexe, Vorurteile und Genüsse, die sich uns aufdrängen – und wie gehen wir damit um?

 

Michael Pfitzner und David le Viseur – “Study for an Illumination No. 1” – 60×85cm – Lambda-Print Alu-Dibond, 2015
Michael Pfitzner und David le Viseur – “Study for an Illumination No. 2” – 60×85cm – Lambda-Print Alu-Dibond, 2015
Michael Pfitzner und David le Viseur – “Study for an Illumination No. 37” – 60×85cm – Lambda-Print Alu-Dibond, 2015
Michael Pfitzner und David le Viseur – “Study for an Illumination No. 11” – 60×85cm – Lambda-Print Alu-Dibond, 2015
Michael Pfitzner und David le Viseur – “Study for an Illumination No. 80” – 60×85cm – Lambda-Print Alu-Dibond, 2015
Michael Pfitzner und David le Viseur – “Study for an Illumination No. 84” – 60×85cm – Lambda-Print Alu-Dibond, 2015
Michael Pfitzner und David le Viseur – “Study for an Illumination No. 70” – 60×85cm – Lambda-Print Alu-Dibond, 2015
Michael Pfitzner und David le Viseur – “Study for an Illumination No. 52” – 60×85cm – Lambda-Print Alu-Dibond, 2015
Michael Pfitzner und David le Viseur – “Study for an Illumination No. 60” – 60×85cm – Lambda-Print Alu-Dibond, 2015
Michael Pfitzner und David le Viseur – “Study for an Illumination No. 53” – 60×85cm – Lambda-Print Alu-Dibond, 2015

 

 

Mataego

Mataego

Photography, 2014

Jede Sprache verfügt über Ausdrücke, die sich in keiner anderen Sprache finden, und dennoch kennen wir das, was diese Ausdrücke bezeichnen – auch ohne ein Wort dafür zu haben.

Der Titel des großformatigen Bildes, „Mataego”, ist genau solch ein Ausdruck.

Er stammt aus dem Rapanui, ein auf den Osterinseln gesprochener polynesischer Dialekt. „Mataego” bedeutet: „Augen, die zeigen, dass jemand gerade geweint hat“.

Wir sehen einen nackten Augenblick der Trauer, der Verzweiflung, der Katharsis, überlebensgroß. Ein Bild, das keiner von sich selbst hat. Und ein Bild das man nicht wagt zu machen – statt die Person zu trösten: Sado-Masochismus des fotografischen Blicks.

Sehen wir in diesem Bild eine junge Frau, die mit dem Wichtigsten in ihrem Leben ringt? Charakterisiert das den Lebenshöhepunkt einer Person am besten? Wie sie das tut?

Portrait of  Valerie Pachner

 

Michael Pfitzner Mataego Valerie Pachner 2014 - 1
Lambda auf Alu-Dibond / 150cm x 125cm

Michael Pfitzner Mataego Valerie Pachner 2014 - 2


Flores Floruit

Flores Floruit

 

Photography, 2014

Die fünfteilige Serie „FLORES FLORUIT” zeigt Blumen. Sie heissen: Allium Caeruleum, Lilium, Iris, Rhododendron und Roseus Lilium. Nein, hier gibt es keinen weiblichen Akt. Hier gibt es keine Narziss-Szene. Nicht Susanna im Bade. Der Blick ist nicht voyeuristisch. Hier ist nichts inszeniert. Das Licht ist völlig natürlich. Und Nacktheit kommt nicht vor.

Aber als die Bilder entstanden, sang Leonard Cohen:

She shows you where to look/

Among the garbage and the flowers/

Der Begriff „floruit” wird in der Kunstgeschichte benutzt, wenn das Datum des Hauptwerkes bekannt ist, das Geburts- und Sterbedatum des Künstlers aber im Dunkeln liegen. Man schreibt dann: „Künstler X, 1204 floruit”. So wird das Leben des Künstlers mit dem Höhepunkt seines künstlerischen Schaffens gleichgesetzt, also seiner Akme.

 

Lilium
Lilium
Rhododendron
Rhododendron
Allium Caeruleum
Allium Caeruleum
Iris
Iris
Roseus-Lilium
Roseus-Lilium

 

 

Flesh like Silk

Flesh like Silk

Photography, 2013

Polaroid

Polaroid

Polaroid, 2013 -2016

Die Polaroid-Serie zeigt eine Reihe von rätselhaften Situationen. Fast unbewusste Momentaufnahmen, deren Kontext offen bleibt. Es geht hier nicht um eine absichtliche Ästhetik, einen Look. Es geht nicht um simulierte Vergangenheit. Obwohl wir das in Zeiten von Instagram gerne denken. Nein: Es war so. Es ist so passiert. Aber: Was ist passiert? Was war da? Was ist es heute?

Das Polaroid entsteht unabsichtlich, spontan, unkontrollierbar. Die Bildwerdung geschieht im Dunkeln. Sie ist dem korrigierenden, optimierenden Denken und Handeln entzogen. Polaroids fordern das ästhetische Glück heraus.

Man sieht decalcomanische Artefakte, wie bei Max Ernst, die beim Abziehen der für die Entwicklung notwendigen Schutzschicht entstehen. Der Betrachter ist genötigt das Motiv, den Augenblick und seine Bedeutung in seiner Vorstellung zu ergänzen, herzustellen. Durch die Unvollkommenheit der fotografischen Oberfläche, durch die analogen Artefakte hindurch. Ist es dieser Prozess der Rekonstruktion durch andere, der die Akme des Bildes konstituiert?